Look to Unlock: Smartphone-Entsperrung neu gedacht

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iris-unlockDein Smartphone in fremden Händen – was für ein Horrorszenario. Mittlerweile entspricht der Zugriff auf ein Smartphone nämlich dem Zugriff auf hochsensible und persönliche Daten. Schutz versprechen neue Entsperrungstechnologien, die die klugen Mobilgeräte noch klüger machen sollen. Vor allem biometrische Entsperrungsmethoden sollen dein Smartphone für fremde Hände zukünftig unbrauchbar machen. Von der Entsperrung mittels Fingerabdruck bis hin zur Gesichtserkennung setzten die neuen Technologien auf die kleinen, aber entscheidenden Einzigartigkeiten des Smartphone-Besitzers. Ein aktueller Trend: die Iriserkennung nach dem Motto “Look to unlock.” Aber was taugen die biometrischen Entsperrungsverfahren wirklich?

 

Die biometrischen Entsperrungstechnologien der Gegenwart

Biometrische Technologien zur Entsperrung des Smartphones gibt es mittlerweile viele. Eine der ältesten Ideen ist die Stimmentsperrung. Jeder Mensch hat einen anderen Stimmverlauf. Intonation und andere Phonetika geben deiner Stimme eine einzigartige Melodie. Dieses Prinzip wird von Stimmerkennungsapps schon seit längerer Zeit genutzt. Auf Android-Geräten ist die Stimmentsicherung dank Sicherheits-Apps wie dem McAfee Personal Locker längst möglich. Lange wurde nur eine Kombination aus Gesichtserkennung und Stimmerkennung benutzt. Mittlerweile ist die Stimmerkennung aber auch als alleinige Entsperrungstechnologie keine Zukunftsmusik mehr. Unter dem Namen „Trusted Voice“ bietet Google auf Nexus-Geräten mit Android Lollipop mittlerweile diese Möglichkeit an. In den Einstellungen ist diese Option unter „Sicherheit“/“Smart Lock“ zu finden. Die Systemsprache des Gerätes musst du dazu allerdings auf Englisch umstellen, da Deutsch bisher nicht unterstützt wird. Bei der Stimmentsperrung gibst du sozusagen den Ton an. Auch dein Gesicht kann dir heute alle Türen zu den eigenen Smartphone-Daten öffnen. Seit dem biometrischen Passfoto ist Gesichtserkennung in aller Munde. Android setzt seit der Version 4.0 auf Gesichtserkennung als Entsperrungstechnologie. Geräte, wie das Google Nexus 7 aber auch das Samsung S4 Mini verwenden die Entsperrungstechnologie bereits. Du schaust zur Entsperrung einfach in die Handykamera. Sie vergleicht das Bild mit einem hinterlegten Bild deiner einzigartigen Gesichtszüge. Bei Übereinstimmung wird das Handy entsperrt. Kleines Manko: bei schlechtem Licht funktioniert die Entsperrung nicht. Gesichts- und Stimmerkennungsentsperrung ersparen dir aber zumindest zeitaufwendige PIN-Eingaben. Außerdem schonst du dein Gedächtnis, weil du dir PINs schlichtweg nicht mehr merken musst.

iPhone-6s-touch-idÄhnliche Vorteile bietet die Entsperrung per Fingerabdruck. Am Laptop gibt es sie schon lange. Höchster Schutz soll dadurch gewährleistet sein, denn der Fingerabdruck ist ein Sinnbild der Einzigartigkeit und keiner gleicht dem anderen. In der Kriminalistik spielen Fingerabdrücke und Technologien zur Abdruckerkennung deshalb seit jeher eine entscheidende Rolle. In der Technologie der Smartphone-Entsperrung setzen heute vor allem Smartphones von Samsung und Apple darauf. Aber auch immer mehr Hersteller scannen mit Fingerabdrucksensoren deinen persönlichen Fingerabdruck, um die Sicherheit vor Datendiebstahl zu erhöhen. Entsperren mit dem Fingerprint gehört mittlerweile zum guten Ton.

 

Voll im Trend: Entsperren in einem einzigen Augen-Blick

ZTE_Augenscan
Ein Trend kristallisiert sich gegenwärtig aus den biometrischen Entsperrungstechnologien heraus: der Iris-Scan. Die Technologie ist eine der aktuellsten Methoden. Seit dem vergangenen Jahr wagen sich die Hersteller der Smartphones an die Entsperrungs-Technologie nach dem Motto „Look to unlock“. Erste Versuche in diese Richtung unternimmt beispielsweise der Hersteller ZTE, welcher in dem Modell ZTE Axon eine Iris-Erkennung mittels eines Augenbildes anbietet. Im März 2015 kündigte SRI die Entwicklung von Sensoren zur Iriserkennung an. Als erstes Irisscan-Gerät wurde eine Spezialausführung des Samsung Galaxy Tab Pro 8.4 angekündigt. Auch Microsoft will für seine Windows-10-Smartphones zukünftig auf Iris-Entsperrung setzen. Osram sind die ersten, die mit der Irisentsperrung den Markt beschreiten. Mithilfe der Infrarot-Technologie ermöglichen sie in diesem Jahr erstmals eine Smartphone-Entsperrung mittels Blicken. Ihre Entsperrungstechnologie wurde in das ARROWS NX F-04G von Fujitsu Limited verbaut. Infrarote Leuchtdioden dienen als Lichtquelle. Die Kamera nimmt gleichzeitig ein charakteristisches Bild der Iris auf und identifiziert so die einzigartigen Merkmale des Auges. Bislang gibt es die neuen Geräte hierzulande nicht zu kaufen. Ein unpraktischer Nachteil ist mit dem Iris-Scan verbunden: du möchtest zum Entsperren im Auto oder im Restaurant wahrscheinlich eher nicht das Handy ans Auge halten müssen.

AmazonUnlockEarDem neuen Trend folgt daher nicht jeder. Amazon gibt mit seinen geplanten Entsperrungstechnologien lieber eins auf die Löffel. Das Unternehmen will statt dem Auge zukünftig die individuelle Form der Ohrmuschel zum Smartphone-Schutz nutzen. Du führst das Handy dazu einfach nur ans Ohr – fast so, als würdest du telefonieren. Verglichen mit dem Iris-Scan hört sich das nach einer etwas praktikableren Entsperrungstechnologie an. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

nymi_herzschlag_armbandDasselbe gilt für die Entsperrung in einem Herzschlag. Dein Herzschlag ist einzigartig. Was nach einem schlechten Liebesfilm klingt, bietet in Wirklichkeit auch praktische Eigenschaften. So zumindest für biometrische Technologien, die den einzigartigen Rhythmus deines Herzschlages über deinen Finger auslesen werden. Führend ist das Armband Nymi der kanadischen Firma Bionym. Mittels Bluetooth überträgt es die Aufzeichnungen an Mobile Devices in der Umgebung. Ein hinterlegtes Herzschlagprofil auf deinem Smartphone wird mit den Daten verglichen. Bei Übereinstimmung wird das Gerät entsperrt. Auch Adererkennungssysteme sind zusammen mit der Herzschlagentsperrung im Gespräch. Beide Systeme sind beim gegenwärtigen Stand allerdings noch nicht praktikabel einsetzbar.

 

Was taugt biometrische Entsperrung wirklich?


PIN-Code-EntsperrungEinst haben biometrische Entsperrungstechnologien nur für Agentenfilme und Zukunftsutopien eine Rolle gespielt. Heute kommen sie längst zur Anwendung. Ob du deine Daten aber tatsächlich mit deinem Ohr, deinem Herzschlag, deinem Fingerabdruck oder deinem Gesicht schützen möchtest, bleibt dir selbst überlassen. In der bisher umgesetzten Form halten Experten die Trends der Entsperrung für noch unsicherer, als einen Passwortschutz. Der Fingerabdruck als Entsperrungstechnologie hört sich beispielsweise unschlagbar sicher an, ist es Datenschützern zufolge aber nicht. Du hinterlässt deinen Fingerabdruck täglich auf vielen Gegenständen – nicht nur im privaten Bereich, sondern auch in der Öffentlichkeit. Dieses persönlichste Passwort verteilst du damit permanent. Smartphone-Diebe könnten den Fingerabdruck von einem Gegenstand “klauen” und mittels eines Imitats dein Handy entsperren. Da dein Fingerabdruck außerdem im Handy gespeichert ist, besteht das Risiko der Weitergabe. Ein Spionage-Virus könnte auf den Fingerabdruck zugreifen und so das einzigartigste und persönlichste Daten-Set stehlen, das du zu bieten hast. Auch die Look-to-unlock-Technologie ist nicht so sicher, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Wie Forscher 2012 auf einer Sicherheitskonferenz bewiesen haben, lässt sich die Sicherung mit künstlichen Bildern austricksen. Dasselbe gilt für die Gesichtserkennung. Potenzielle Smartphone-Diebe benötigen lediglich ein Foto von dir, um Zugriff auf dein Smartphone zu erhalten. Obwohl Hersteller dieses Manko mittlerweile durch eine Zwinkerkontrolle beheben wollen, lässt sich der Schutz mittels eines Videos dann noch immer austricksen. In den nächsten Jahren werden sich die Technologien in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen allerdings deutlich verbessern. Schließlich leben wir im Technologie-Zeitalter. Im nächsten Jahrzehnt wird die biometrische Entsperrung die Wisch- und Passwortentsperrung daher vermutlich ersetzen. Die Zeit dieser Innovationen ist längst angebrochen.

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Was hältst du von den neumodischen Entsperrverfahren für Smartphones? Wo siehst du die Zukunft und welches nutzt du aktuell? Schreib mir gern deine Meinung als Kommentar im Blog.

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