Dein Smartphone als Schlüssel nutzen

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Drei Dinge dürfen nie fehlen, wenn man das Haus verlässt: Portmonee, Handy und Schlüssel. Doch so mancher Schlüsselbund hat eine derartige Dimension angenommen, dass man ihn eigentlich nur noch loswerden möchte. Damit ist in Zukunft Schluss. Wir zeigen euch eine Technologie, die es ermöglicht, das Smartphone als universellen Türöffner zu benutzen. Simsalabim und Ping, schon bist du drin.

Tür per App öffnen

 

Key2Share (Quelle: Fraunhofer Institut)

Key2Share (Quelle: Fraunhofer Institut)

Über die Jahre sind Smartphones immer größer, besser und funktionaler geworden. Es gibt kaum noch etwas, was man nicht mit dem Telefon steuern oder organisieren könnte. Egal ob PC, Notizblöcke, Kalender oder Fitnessgeräte – dein Smartphone ersetzt fast alles. Im Umkehrschluss führt das fast zwangsläufig dazu, dass man sein Telefon immer dabei hat. Wenn es doch sowieso immer präsent ist – wieso dann nicht auch als Schlüssel benutzen? Wir sind uns sicher: Neue Technologien werden zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit manuelle Schlüssel ersetzen.

Bereits 2013 zeigte das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT auf der CeBIT in Hannover eine App, mit deren Hilfe das Smartphone als Haustürschlüssel genutzt werden kann. Key2Share nennt sich die Lösung. Die Funktion ist simpel: Mit der App können Verbraucher digitale Haustürschlüssel an Familienmitglieder verteilen und ihnen Nutzungsrechte geben. Der Nachbar erhält zum Beispiel ein temporäres Zutrittsrecht, um die Pflanzen zu gießen.

Um die Datenübertragung zwischen Haustür und Smartphone zu gewährleisten, wird der Übertragungsstandard NFC (Near Field Communication) verwendet. Damit es bei der Übertragung zu keinem Angriff durch Dritte kommen kann, setzt Key2Share auf die sogenannte BizzTrust-Technologie. Diese trennt die Daten für die Haustürschlüssel von anderen Daten auf dem Gerät.

Wie sicher ist das Smartphone als Schlüsselersatz?

 

bizztrust

(Quelle: Fraunhofer SIT)

Mit Bizztrust werden die private und berufliche Smartphone-Nutzung voneinander getrennt. Doch die BizzTrust-Technologie des Frauenhofer-Instituts wirft eine entscheidende Frage auf: Wenn die Schlüsseldaten von anderen Daten des Smartphones getrennt werden müssen – wie sicher kann die Technologie an sich dann überhaupt sein?

Natürlich sind Risiken mit der Anwendung verbunden. Dies fängt schon mit der Übertragung der Zugangsrechte an. Je nach Anbieter der Lösung erfolgt die Übermittlung per SMS, E-Mail oder als QR-Code. Eine Übertragung per E-Mail ist, wenn sie nicht verschlüsselt wird, problematisch. Selbst das Versenden von SMS könnte durch Hacker abgefangen werden. Weitaus sicherer ist der Austausch durch einen QR-Code, da beide Parteien präsent sein müssen. Ebenso kann man den kontaktlosen Übertragungsstandard NFC nutzen, welcher bereits für Zahlungsvorgänge mit der Kreditkarte bzw. dem Smartphone zum Einsatz kommt.  Allerdings ist auch bei dieser Variante keine hundertprozentige Sicherheit gegeben, da bspw. im Jahre 2014 Forscher der Newcastle Universität solche Sicherheitslücken feststellten, dies es Kleinkriminellen ermöglicht, unrechtsmäßig Geldbeträge vom Konto abzuheben. Anbieter der neuen Technologien stehen als zukünftig also vor allem vor der Herausforderung, die Anwendung so sicher wie möglich zu machen. Dieser Aspekt dürfte auch bei der erfolgreichen Durchsetzung der Lösung wesentlich sein.
 

Hotelbranche: Smartphone als Schlüssel fürs Zimmer

 
Während sich Privatanwender noch nicht ganz mit dem Smartphone als Schlüssel angefreundet haben, könnte die Hotelbranche am meisten von der Technologie profitieren. Für sie sind verlorene Schlüssel oder Access-Cards ein großes Problem. Weitaus einfacher wäre es, jedem Hotelgast einen temporären Zugang per Smartphone zu ermöglichen. Dieser ist ausschließlich auf die Aufenthaltsdauer befristet und für beide Parteien unkompliziert.

Dass Smartphones als Schlüssel für die Hotelbranche taugen, verdeutlicht eine Studie von Netflix und Good Technology. Beide Unternehmen haben ihren Mitarbeitern jeweils ein Samsung Galaxy S III gegeben, welches dank NFC-Funktion und einem passenden digitalen Schlüssel Türen öffnen kann. Die Studie kam zu folgenden Ergebnissen:

  • 80 Prozent der Netflix-Tester beschrieb die Funktion als intuitiv
  • 87,5 Prozent der Netflix-Tester würde mit ihrem Smartphone gerne jede Tür im Gebäude öffnen
  • 80 Prozent der Good-Technology-Tester fanden es angenehmer, Türen mit dem Smartphone zu öffnen als mit Access-Cards
  • 83 Prozent der Teste von Good Technology gaben an, Smartphones würden die Gebäudesicherheit erhöhen

 
Falls es zum Verlust eines Smartphones kommt, kann das zuständige Hotel den Zugangsschlüssel einfach aufheben. Für die Hotelbranche sind Smartphones als Zugangsschlüssel folglich eine kostengünstige Alternative zu mechanischen Schlüsseln und Access-Cards.
 

Mit diesen Vorrichtungen wird dein Smartphone zum Schlüssel

 

(Quelle: Nuki smart doorlock)

(Quelle: Nuki smart doorlock)

Gadgets, die das Smartphone in einen Schlüssel verwandeln, sind bereits auf dem Markt erhältlich. Verbraucher müssen hier lediglich darauf achten, dass die Gadgets für europäische Türen ausgerichtet sind. Außerhalb Europas gibt es nämlich andere Türsysteme.

  • Danalock Smartlock: Das Gadget wird einfach auf das Türloch gesteckt. Die Verbindung zwischen Gadget und Smartphone erfolgt per Bluetooth. Temporäre Zugänge lassen sich auf Wunsch einrichten.
  • Nuki Smart Doorlock: Über Bluetooth und GPS erkennt das System, wann ein Bewohner des Hauses nach Hause kommt und entriegelt automatisch die Tür. Bei Verlassen des Hauses wird es abgeriegelt.
  • Goji Smart Lock: Dieses Gadget wird nicht auf der Innenseite angebracht, sondern von außen. Das Modul beinhaltet eine Überwachungskamera, die Bewohner des Hauses darüber informiert, wer an der Tür klingelt. Die Tür kann über das Smartphone geöffnet werden.

 
Start-ups versuchen derweil auf Kickstarter ihr Glück mit Lösungen, die das Smartphone in einen Schlüssel verwandeln. Dazu gehört auch das Unternehmen Locumi aus München, welches Mitte Oktober eine Kampagne für seine Lösung Monkey startete. Im Vergleich zu den genannten Lösungen setzt man auf einen WLAN-Chip, welcher in die Gegensprechanlage des Hauses integriert wird. Ähnlich wie Noki Smart Doorlock erkennt Monkey, wenn sich ein Bewohner dem Haus nähert, und öffnet die Tür automatisch. Das System richtet sich jedoch in erster Linie an Bewohner von Mehrfamilienhäusern. Geöffnet wird zunächst nur der Haupteingang. Für die Wohnungstür wird ein zusätzliches Modul benötigt.

So steuerst du “Monkey” ganz einfach über dein Smartphone (Video)

Systeme, die das Smartphone in einen mobilen Schlüssel verwandeln, könnten viele Branchen revolutionieren. Insbesondere Unternehmen aus dem Bereich Tourismus (Hotels, Ferienhäuser, etc.) aber auch Firmen, in denen viele Gebäudeteile durch abgeriegelte Türen versperrt sind, können mit Smartphones Zugänge leichter managen. Ob sich die Systeme auch in privaten Häusern durchsetzen werden, bleibt abzuwarten.

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Würdet ihr eurer Smartphone als Ersatzschlüssel nutzen, oder ist euch diese Innovation zu risikobehaftet? Gern möchten wir uns mit euch darüber im Blog austauschen.

 

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