Apple: Wird Tim Cook jemals so gut sein wie Steve Jobs?

0
LESEZEIT CA: 8 MINUTEN

Der Tod Steve Jobs 2011 brachte für Apple einschneidende Veränderungen mit sich. Apple war Jobs und Jobs war Apple in Person – es gab niemanden, der das je infrage gestellt hätte. Sein Nachfolger wurde Tim Cook. Aber wird dieser jemals fähig sein, das Apple-Imperium genauso würdig wie Jobs zu regieren? Cook vs. Jobs – wir machen den ultimativen Vergleich.

Tim Cook: nur ein Schatten von Steve Jobs

Nicht nur unter den Apple-Jüngern gilt Steve Jobs bis heute als Heiliger. Als er 2011 starb, fragten sich viele, wie das Unternehmen überhaupt ohne ihn existieren solle. Keinem anderen wurde zugetraut so innovativ wie Jobs zu arbeiten und neue Standards wie den iPod oder das iPhone auf dem Markt zu etablieren. Viele vergötterten ihn, manche hassten ihn aus tiefstem Herzen – aber fasziniert waren sie irgendwie alle. Am Ende hinterließ er zu seinem Todestag ein mächtiges Imperium, welches zu Teilen auch der neue Geschäftsführer (CEO) Apples, Tim Cook, erbte.

Cook, der 1998 eigens von Jobs angeworben wurde, hat es bis heute nicht leicht. Als neuer CEO von Apple ist er bestrebt, das Unternehmen erfolgreich und genauso würdig wie Jobs weiterzuführen. Dennoch muss er sich vielen Kritikern stellen, die hinterfragen, was denn die Daseinsberechtigung Cooks ausmache und was er leistet. Fakt ist: Cook ist nie ein zweiter Steve Jobs geworden. Vielleicht auch deswegen, weil er das selber nie wollte. Bedeutet das den Untergang für ein Unternehmen, welches für seine Perfektion berühmt wurde?

Steve Jobs – der manipulative Visionär

steve_jobs_bioJobs hatte eine besondere Gabe. Er wusste, was Konsumenten wollen, bevor sie es selbst wussten und bevor es überhaupt einen Markt dafür gab. Mit aller Leidenschaft überzeugte er jeden Einzelnen davon, dass sein Produkt genau das war, was ihnen all die Zeit zum vollkommenen Glück gefehlt hatte. Manche sprechen davon, dass er ein „Reality Disortion Field“ erzeugen konnte, also absichtlich die Realität verzerrte, um seine Ziele zu erreichen. Gemeint sind damit das unglaubliche Charisma und die manipulativen Eigenschaften, die von Jobs ausgingen. Er war mächtig, er war reich, aber vor allem war er immer eines: anders.

Jobs galt von jeher als Visionär erster Klasse. Er verkörperte alle Klischees des Silicon Valleys wie kein anderer. Bereits mit 25 ist er Multimillionär, trägt aber bis zum Ende seines Lebens verwaschene Jeans und Rollkragenpullover. Er ist geprägt von zerfressendem Ehrgeiz, Selbstsicherheit und einem tyrannischen Führungsstil. Seine Bedeutung in der IT-Branche ist übergroß. Man kann sagen, dass er jahrelang die einzige Konstante im Silicon Valley war. Wenn Jobs eine Bühne betrat, folgte eine spektakuläre Show – immer.

Seine Mitarbeiter sagten über ihn, dass er exzentrisch, selbstherrlich, starrsinnig und eingebildet sei. Es waren diese Eigenschaften, die sich mit seiner unermüdlichen Willenskraft und seinem faszinierenden Charisma zu einem Charakter verbanden, welchem sich nie jemand entziehen konnte. Bis zum Schluss strebte er nach vollkommener Perfektion in jedem Detail und bekam am Ende immer das, was er wollte.

Tim Cook: der effiziente Buchhalter

Als Cook für Jobs zu arbeiten began, übernahm er alle Aufgaben, die Jobs nicht ausführte oder übernehmen wollte. Das änderte sich spätestens mit dem Ableben von Steve. Seitdem wandelt sich aber auch die Unternehmenskultur.tim_cook_bio

Steve brachte ein loderndes Feuer in das Unternehmen. Die Angestellten brannten für Apple, ihr Engagement war manchmal übermenschlich. Cook ist in der Hinsicht anders. So könnte sein Motto lauten, dass in der Ruhe die Kraft liegt. Er liebt Excel-Tabellen und ist konsensorientiert. Auch Tim ist wie Jobs arbeitswütig und strebsam. Aber eben völlig anders. Jobs beispielsweise war Detail versessen. Bevor nicht jedes noch so kleine Element perfekt war, lies er seine Mitarbeiter so lange Überstunden machen, bis das neue Gerät seinen Ansprüchen genügte. Er kontrollierte bis zum Schluss alles selbst. Cook achtet deutlich weniger auf Details und gibt Aufgaben viel bereitwilliger auch an Mitarbeiter ab.

Er nutzt diese Strategie, um sich aufs Wesentliche konzentrieren zu können. Aber was ist das Wesentliche bei Apple? Ist es nicht gerade dieses Ideal, immer besser als andere sein zu wollen? Keine halben Sachen zu machen? Keine Angriffsfläche für Fehler zu bieten? Ja einfach unantastbar zu sein. Und wie kann man das erreichen, wenn der Chef nicht selbst als vollkommenes Vorbild darin aufgeht?

Seine Mitarbeiter sagen über Cook, dass er charmant und witzig sei und sie anhöre, statt nur abzuwinken. Insgesamt gilt er als ruhig und freundlich, aber dennoch konsequent. Nicht allen ehemaligen Mitarbeitern passt das. Viele Ingenieure, die wesentlich für die Innovationskraft Apples verantwortlich sind, versuchen seit dem Führungswechsel auch das Unternehmen zu wechseln. Wie lange die Strategie Cooks gut geht, lässt sich schwer sagen.

Die Apple Produkte des einmaligen Steve Jobs

imac aus dem Jahr 1998

iMac aus dem Jahr 1998

1998 kam der erste iMac auf den Markt. Der All-in-one Computer wurde für eine Zielgruppe geschaffen, die technisch eher weniger versiert ist und ein einfaches Gerät bedienen möchte, dass sich intuitiv ihren Bedürfnissen anpasst. Sein Design war neu und inspirierte sehr viele Künstler dazu, Computerzubehör in ähnlich durscheinenden Formen zu entwerfen. Er war bunt, er war neu und brachte nicht nur ins Büro, sondern auch in jedes einzelne Leben Farbe. Besonders gewinnbringend galt die Integration der Microsoft-Software in den Mac.

2001 folgte der iPod. Unter den MP3-Playern wurde er schnell zum Marktführer. Sein Design war außergewöhnlich elegant, seine Bedienbarkeit einfach und intuitiv.
Mit den iOS-Geräten iPhone und iPad setzte Jobs endgültig ein Zeichen seiner großen Visionen. 2007 wurde das erste iPhone präsentiert. 2010 dann das iPad – ein Tablet mit iOS, dass selbst von Personen ohne Computer-Erfahrung spielend leicht bedient werden konnte. Und weil es Steve Jobs präsentierte, wolltest du plötzlich auch so ein geiles Teil.

Job`s Meisterstück ist das iPhone

Steve Jobs präsentiert 1. iPhone

Quelle: telegraph.co.uk

Als absolutes Highlight kann aber tatsächlich das iPhone in all seinen Generationen gesehen werden. Schon 2007 wurde es von der Times als „Erfindung des Jahres“ betitelt. Es ist bis heute bedienerfreundlich, hat ein überaus ansprechendes Design und ist mit seiner Betriebssoftware iOS eines der sichersten Mobilfunkgeräte überhaupt.

Jobs hat jedes seiner Produkte bis zum Ende durchdacht, neu konfiguriert und immer unter dem Gesichtspunkt der Kombination von einfacher Bedienbarkeit und edlen Gehäusen perfektioniert. Alle Apple Produkte sind so miteinander kombinierbar, dass sie zusammen einen Mikrokosmos ergeben, aus dem man sich nur schwer wieder entziehen kann. Jobs schaffte es, Millionen Menschen so stark an Apple zu binden, dass sie ihm vermutlich ein Leben lang die Treue schwören.

Mit Cook sinken auch die Wachstumszahlen

Natürlich ist Apples Umsatz gigantisch. Allein im letzten Quartal 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 75,9 Milliarden Dollar. Aber die Prognose ist leider düster. Die Absatzahlen gehen zurück und Tim Cook kann seinen Aktionären bisher keine Ideen gegen sinkende Wachstumszahlen bieten. Er begründet den Rückgang mit der schlechten weltwirtschaftlichen Situation. Mehr als Phrasen hat er aber nicht in der Hinterhand. Es fehlt ihm an Innovationskraft, sowie sie einst ein Steve Jobs hatte. Der Unmut wird auch direkt geäußert. So bezeichnet Chamath Palihapitiya Cook als „lebende Schlaftablette“. Auch andere Investoren wie Jeff Macke betiteln ihn als „verzweifelt“ und wünschen sich eine neue Spitze.

Blick man ehrlich zurück, hat Cook seit dem Tod seines Vorgängers keine großen Innovationen hervorgebracht. Apple lebt immer noch von den großen Steve Jobs Innovationen. Es fehlt an jenem Pioniergeist, der Apple zu Apple macht. Und an der perfektionistischen Haltung. So wären bspw. Softwarefehler, wie sie heut vereinzelt auftreten, unter Jobs niemals vorgekommen. Der Kunde wird anders als früher zum Beta-Tester, wie es eher Microsoft-typisch ist. Man muss also ehrlich sagen, dass Cook bisher nicht sonderlich viel zum Unternehmenswachstum beigetragen hat. Außer den Preisen erhöht sich derzeit nichts.

Apples spektakuläre Keynotes

Quelle: macmania.at

2007 präsentierte kein anderer als Jobs das erste iPhone der Welt (iPhone 2G bzw. iPhone EDGE). Schon damals war man sich einig, dass es eine der besten Produktpräsentationen überhaupt war. Was am Ende so spielend leicht aussah, war das Ergebnis kräfte- und zeitraubender Vorbereitungen. 5 Tage übte Jobs die Präsentation auf der Bühne. Für den Chef eines Weltkonzerns ziemlich außergewöhnlich. Steve Jobs war ein Sinnbild dafür, dass er seine Produkte nicht einfach vorzeigen würde. Nein, er wollte sie alle begeistern, von ihren Stühlen reißen und sie in den vollkommenen Apple-Rausch hinein taumeln lassen. Sein ausgesprochener Perfektionismus zeigte sich nicht nur in seinen Geräten, sondern auch in seinen Präsentationen. Nichts wurde dem Zufall überlassen, der Zuschauer manipuliert und hypnotisiert. Besonders waren die Shows auch deswegen, weil Jobs darauf bestand, die Funktionen des iPhones live zu präsentieren. Viele andere verzichteten auf diesen Schritt, weil sie Angst vor auftretenden Fehlern hatten. Jobs hatte keine Angst, er wollte, dass jeder im Publikum nachvollziehen konnte, wie es ist, sein iPhone selber zu bedienen. Noch heute gilt diese Präsentation als Vorzeigeprojekt einer Produktpräsentation.

Auch die Liveschaltung zum ehemaligen Feind Bill Gates (Microsoft) im Jahre 1997 machte noch lange Zeit Schlagzeilen. Die Präsentationen Jobs galten als unberechenbar und unvorhersehbar. Was 2007 begonnen wurde, zog Jobs bis zu seinem Tod 2011 durch. Akribische Vorbereitungen für perfekte Shows. Gekonnte Selbstinszenierungen und die Hypnose eines Publikums, das wie ein Hase vor der Schlange saß. Jeder, wirklich jeder, wollte auf seinen Präsentationen dabei sein.

Cook tritt nur im Hintergrund auf

Auch Apples legendäre Keynotes haben sich mit Cook verändert. Manchmal tritt er nur am Anfang und Ende auf, fast immer überlässt er anderen den Vortritt. Dieses Verhalten resultiert vor allem aus den Vorwürfen, dass er für die Lifestyle-Marke, welche er präsentiert, zu wenig Rampensau sei. Cook weiß das auch selber und versteckt sich seitdem hinter extrovertierteren Leute wie Design-Boss Jony Ive.  Der einstige Esprit ist streckenweiser Langeweile gewichen.

Das folgende Video zeigt die vorherrschende Meinung über Tim Cook auf witzige Art und Weise ganz realitätsnah.

Cook vs. Jobs – wer ist der besserer CEO

Das Herzblut Steve Jobs fließt auch 5 Jahre nach seinem Tod noch durch das Unternehmen. Er und ist das unumstrittene Sinnbild Apples. Vergöttert und gefürchtet gilt er noch heute als einer der erfolgreichsten Menschen der IT-Branche. Kaum einer hat es jemals geschafft, so viele Emotionen auf sich zu vereinen und der Welt ständig neue Innovationen zu präsentieren. Ob man ihn liebt oder hasst – niemand streitet ab, dass Steve Jobs eine schillernde Persönlichkeit war. Um Cook hingegen ist es eher still. Er ist der Inbegriff von Mittelmaß und gleicht mehr einem Buchhalter, als der Führungsperson eines riesigen Imperiums. Auch wenn er versucht, das Unternehmen erfolgreich weiterzuleiten, sind sich viele Kritiker einig, dass er bald eine echte Innovation liefern muss, um weiterhin bestehen zu können. Cook ist kein Querdenker und kein Tüftler. Visionen und Innovationen liegen ihm anscheinend nicht. Findet er nicht bald einen Weg aus seiner eigenen Welt heraus, sieht es schlecht aus für Apple. Die Alternative wäre dann nur, einen neuen CEO zu suchen, der mehr Leidenschaft einbringt. Was auch immer die Zukunft bringen mag – Steve Jobs ist und bleibt der Inbegriff Chefs, der Garagenbastelei in eine Milliarden-Imperium verwandelte. We miss you.

>> Hier geht es zu unseren Apple iPhone Angeboten
Teilen:

Hinterlasse eine Antwort