Akkumythen – Der richtige Umgang mit dem Handyakku

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Das 21. Jahrhundert ist ein Jahrhundert der Mobile Devices. Smartphones, Tablets und Co. können heutzutage fast schon ein ganzes Büro ersetzen und geben durch ihre ortsunabhängige Einsatz- und Hilfsbereitschaft auch im privaten Leben den Ton an. Gerne spricht man bei der Einsatzbereitschaft von Mobile Devices von Grenzenlosigkeit. Wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre: der Akku. Die Energiespeicher setzen dem Einsatz der mobilen Endgeräte auch heute noch Grenzen. In der Gegenwart spielt sich das menschliche Leben daher im Takt der Akkulaufzeit ab. Zur Haltbarkeit und dem Leben der Batterien gibt es mittlerweile zahlreiche Tipps und Tricks. Einige davon treffen zu. Andere sind überholte Mythen. Zeit für ein wenig Licht im Dunkeln.

Energiespeichergeschichte – vom Nickel-Metallhydrid- zum Lithium-Polymer-Akku

Male hand inserting battery to mobile phone.
Von der Smartwatch über das Smartphone bis hin zum Tablet oder Notebook bildet der Akku das Herz unseres mobilen Equipments. Technische Gerätschaften müssen dank ihm nicht mehr in der Nähe einer Steckdose betrieben werden. Wie ein Magier, verwandelt er elektrische in chemische und chemische in elektrische Energie. In seinem Inneren befinden sich komplexe Gebilde, in denen zu diesem Zweck Stoffe interagieren. Der Akku ist allerdings auch ein häufiges Verschleißteil unserer technischen Geräte und dafür verfluchen wir ihn entsprechend oft. Akkus machen bauartbedingte Alterungsprozesse durch. Ihre Lebensdauer ist begrenzt und sie setzen wegen ihrer energietechnischen Begrenztheit auch der Mobilität unserer mobilen Endgeräte Grenzen. Die Hardware entwickelt sich im Technologiezeitalter mit unglaublicher Geschwindigkeit weiter. Die Akku-Technologie macht eine etwas langsamere Entwicklung durch. Anders als viele behaupten, tut sich aber auch bei den aufladbaren Energiespeichern regelmäßig etwas. Mehr als 20 verschiedene Arten von den Speichern gibt es. Aktuell sind Lithium-Ionen-Akkus für Mobile Devices Standard. Bald werden die Lithium-Polymer-Akkus deren Nachfolger sein. Wie eine bedrohte Tierart, ist der sensible Nickel-Metallhydrid-Akkus heutzutage fast vollständig ausgestorben. Wenn du deinen Handy-Akku richtig laden möchtest, stehst du deshalb oft vor einem Problem: die meisten Tipps zum Laden beziehen sich nämlich noch auf die veralteten Nickel-Metallhydrid-Akkus. Wer einen Lithium-Ionen-Akku richtig laden will, muss grundlegend umdenken.

Akku-Mythos Nr. 1: “Immer vollständig entladen und aufladen”


Um das Leben eines Lithium-Ionen-Akkus zu verlängern, musst du den Energiespeicher nicht jedes Mal auf 0 entladen. Ebenso wenig musst du ihn bei jedem Laden bis zu 100 Prozent auffüllen. Dieser Akku-Mythos ist ein Relikt aus den Nickel-Metallhydrid-Zeiten. Den modernen Lithium-Ionen-Akkus schadet das Ganz-oder-gar-nicht-Prinzip eher. Sie werden durch dieses Ladeverhalten durch mechanische und thermische Belastung strapaziert. Bei Lithium-Ionen-Akkus unterschreitest du beim Entladen die Restkapazität von 30 Prozent idealerweise nur selten. Beim Laden lädst du am besten nicht über 70 Prozent. Ladungen zwischen 30 und 70 Prozent schonen die Energiespeicher. Bei fast vollem Handyakku also lieber nicht nachladen und bei annähernd leerem Akkustand möglichst schnell handeln.

Akku-Mythos Nr. 2: “Nicht zu oft laden”

Gute Akkus bringen es im Durchschnitt auf 1.000 Ladezyklen im Leben. Erst nach diesen 1000 Zyklen verlieren sie an Kapazität. Ein Ladezyklus ist je eine vollständige Ladung und ihre anschließende Entladung. Dass du deinen Akku so selten, wie möglich laden solltest, ist eine veraltete Regel aus Zeiten des Nickel-Metallhydrid-Akkus. Lithium-Ionen-Akkus lädst du lieber häufiger, als sie in den kritischen Bereich von unter 30 oder über 70 Prozent zu bringen. Du lädst somit nicht jedes Mal einen vollen Zyklus, sondern allenfalls einen halben. Von den 1000 Ladezyklen im Leben des Akkus geht bei jedem Laden so logischerweise auch nur die Hälfte eines Zyklus ab.

Akku-Mythos Nr. 3: “Vorsicht vor dem Memory-Effekt”


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Der Akku ist ein Teil des Smartphones. So smart, dass er sich beim Laden den Ladestand merkt und diesen Stand zukünftig nicht mehr überschreitet, ist er aber nicht. Mit dem Memory-Effekt war für die Nickel-Akkus auch der Grundsatz verbunden, dass der Energiespeicher mit dem ersten Ladevorgang konditioniert werden muss. Mindestens zehn Stunden sollte das erste Laden der alten Akkus dauern. Auch dieser Richtwert gilt für die Lithium-Ionen-Akkus und deren Nachfolger nicht mehr. Die Ladeelektronik der modernen Energiespeicher beendet nämlich automatisch den Ladevorgang, sobald der Akku voll ist.

Akku-Mythos Nr. 4: “Nur Originalzubehör verwenden”


Nicht-originale Akkus können im Gerät explodieren und sowohl dein mobiles Endgerät, als auch dich zu Schaden kommen lassen. Das hört sich nach einem schlechten Film an? Stimmt – dran ist an dieser Aussage nämlich wenig. Billig-Akkus und No-Name-Ladegeräten geht allerdings meist schneller die Puste aus, als den Akkus von namenhaften Herstellern, die mit einer Garantie geliefert werden. Dass es zwingend Originalzubehör sein muss, ist aber tatsächlich nur ein Mythos der Gerätehersteller, denen der Kauf von Originalzubehör logischerweise Geld in die Tasche spielt.

Akku-Mythos Nr. 5: “Während dem Laden nicht benutzen”


Während das Handy lädt, auf keinen Fall telefonieren. Ist das Tablet angesteckt, darf nicht darauf gearbeitet werden. Dieses Prinzip hat sowohl Wahres, als auch Falsches. Grundsätzlich sind Lithium-Ionen-Akkus Multitasker. Das heißt, sie können durchaus gleichzeitig laden und entladen. Da dabei aber starke Hitzeentwicklungen entstehen können, solltest du eine solche Situation zumindest nicht regelmäßig herausfordern. Im Notfall überstehen die Akkus die Mehrfachbeanspruchung aber trotzdem, ohne den Geist aufzugeben oder Lebenstage einzubüßen.

Akku-Mythos Nr. 6: “Kein vollständiger USB-Ladevorgang”


Powerbank Akku laden
Es wird gemunkelt, dass das USB-Laden dem Akku wegen der kontrolllosen Art des Energiebezugs Schaden zufügen kann. Daran musst du dich bei der Akku-Pflege moderner Energiespeicher nicht mehr halten. Lithium-Ionen-Akkus tragen die Kontrollinstanz zum Laden in sich selbst. Eine Überladung ist dadurch auch beim USB-Laden ausgeschlossen. Wenn der Akku voll ist, stoppt die Kontrollinstanz den Vorgang – ganz gleich, ob der Energiegewinn über ein Ladegerät oder eine USB-Verbindung erfolgt.

Akku-Mythos Nr. 7: “Nur komplett geladen lagern”


Wie du bereits weißt, werden Lithium-Ionen-Akkus möglichst nicht komplett geladen. Daher sollten sie auch vor einer geplanten Lagerung nicht bis ans Ladelimit aufgeladen werden. Eine Füllung von 70 Prozent ist schon eher angemessen. Auch ein vollständig entladener Akku nimmt dir die Lagerung über eine längere Zeit übel. Noch viel wichtiger als die Ladung, sind bei der Lagerung gemäßigte Temperaturen und Trockenheit. Wenn du jetzt noch aufpasst, dass der Akku nicht allzu oft zu Boden rauscht, wird er idealerweise erst nach über 1000 Ladezyklen geschwächt.

Jetzt weißt du über die wichtigsten Märchen zur Akku-Pflege Bescheid und kannst dein Wissen in die Welt heraustragen. Wenn in naher Zukunft die Brennstoffzelle zum Energiespeicherstandard geworden ist, wirst du dich mit diesen veralteten Akku-Mythen nie mehr wieder beschäftigen müssen.

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Wie oft lädst du dein Smartphone auf und welche Tipps befolgst du schon zum Akku laden? Kennst du noch andere Gerüchte, was man lieber nicht tun sollte mit deinem Smartphone-Akku? Schreib mir deine Erfahrung als Kommentar im Blog.

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